Gruß zum Sonntag

Gruß zum Sonntag (Nr. 2) – Was ist wichtig für den Glaube?

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Vor paar Wochen ist in der Nassauischen Neuen Presse ein Artikel von mir als Gruß zum Sonntag erschienen. Ich möchte ihn hier nochmal in leicht abgewandelter Form veröffentlichen.

Durch mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Pfadfinderbundeszentrum treffe ich derzeit viele Menschen aus ganz Deutschland. Sobald klar ist, dass ich aus der schönen Stadt Limburg an der Lahn komme, gibt es seit Monaten nur noch ein Thema. Es ist sehr bedrückend, welches Bild zurzeit wieder von der Kirche, speziell in Limburg, gezeichnet wird. Viele ziehen die einzige Konsequenz die sie aus ihrer Sicht ziehen können und treten aus der Kirche aus.

Doch ist Kirche wirklich nur der Bischof und das Verhalten einzelner Personen? Ist Geld alles was den Glauben bestimmt? Ist das was in den Medien ausgeschlachtet wird Kirche und Glaube?

Ich erlebe als Katholik und Pfadfinder die Kirche als etwas anders: vielfältig. Der Besuch des Gottesdienstes bietet eine vertraute Routine um mal zurückzuschalten, auf die vergangene Woche zurückzuschauen und Kraft zu tanken. Ich schaffe es zwar zurzeit nicht oft, aber wenn ich es schaffe wird mir dies um so deutlicher. Nicht nur im Gottesdienst wird Kirche erlebbar, sondern auch bei meinem Engagement in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG). Hier sehe ich wie christliche Werte wie zum Beispiel Nächstenliebe, Bewahrung der Schöpfung und Gemeinschaft gelebt werden. Eine weitere Facette der Kirche ist für mich, dass der Träger meines FSJ das Bistum Limburg ist und mir so zusammen mit meiner Einsatzstelle die Möglichkeit gegeben wird viele tolle Erfahrungen zu sammeln, von denen ich mein Leben lang profitieren kann. Ich könnte diese Liste noch fortsetzen, wo die Kirche und mein Glauben mir in meinem Leben hilft und Kraft gibt. Aber ich glaube das reicht als Beispiel um zu sehen wie wichtig für mich ist, ob der Bischof eine goldene Badewanne mit Weihwasseranschluss hat oder nicht.

Doch auch mir ist klar, dass sich das nicht so einfach trennen lässt. Aber man betrügt sich selbst, wenn man das vielfältige Angebot der Kirche nicht nutzt, weil man mit einer Person unzufrieden ist. Nur als Mitglied der Kirche kann man die Kirche gestalten und zu einer besseren Kirche zu machen. Nehmen wir die neuen und frischen Impulse aus Rom von Papst Franziskus auf und zeigen den Skeptikern, dass Kirche auch anders geht. Kirche ist nicht nur Geld, Bischof und Kirchensteuer. Morgen ist Sonntag, Tag der Ruhe, Tag des Gottesdienstes. Geh hin und engagiere dich. Die Kirche ist nur so gut wie ihre Mitglieder.

Ich habe nach dem erscheinen des Artikels in der NNP viele positive Rückmeldungen erhalten und mir diesen Artikel nochmals aus der Sicht eines Fremden durchgelesen. Dabei ist mir erst bewusst geworden mit welcher Überzeugung ich Katholik bin und diese Worte ehrlicher waren als es mir beim Schreiben bewusst war.

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Fastnachtsgruß zum Sonntag (Nr.1)

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Vor zwei Jahren habe ich für die Nassauische Neue Presse einen Gruß zum Sonntag über das Thema Fastnacht geschrieben. Ich möchte ihn hier nochmal präsentieren:

Zurzeit sieht man die Verkleidungen aller Art wieder überall. Der eine gibt sich plötzlich als Schwerverbrecher von der Stange in schwarz-weiß gestreiften Hosen und ebenfalls quer gestreiften T-Shirt, der andere kann endlich zeigen welches Kostüm er im vergangenen Jahr mühsam gebastelt hat. Der Dritte ist dann wohl der, der mit dem ganzen Verkleidungskram nicht viel anfangen kann, aber trotzdem durch diese fünfte Jahreszeit durch muss, da der Karneval so einen breiten Platz in der Gesellschaft einnimmt.

Allein die Nassauische Neue Presse in diesen Tagen zu öffnen zeigt, dass das Wichtigste in der Region zurzeit der Karneval ist. Kappensitzung hier, Kreppelkaffee da und später noch die Umzüge. Keine Frage: Es wird viel gelacht und gefeiert. Das ist gut so, aber viele vergessen, dass der Karneval eigentlich einen stark kirchlichen Hintergrund hat. Früher ließ die Kirche die eine oder andere kurz vor der Fastenzeit begangene Sünde mal durchgehen. In den folgenden Wochen achtete sie dafür umso mehr auf die Verfehlungen der Menschen. Diese wenigen tollen Tage im Jahr nutzten viele, um einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen und den Oberen auf der Nase herum zu tanzen. Dieser Rollenwechsel tat gut, um mal von außerhalb auf sein eigenes Ich zu schauen. Oftmals wirken die eigenen Probleme dann plötzlich nur noch winzig und klein.

Perspektivwechsel

Was damals schon galt, gilt heute auch noch: Durch einen Wechsel der Perspektive kann man vielleicht über seine eigene scheinbar ausweglose Situation hinweg kommen und neuen Mut schöpfen. Dem einen gelingt dies vielleicht dadurch, dass er sich verkleidet und „Helau!“ ruft. Dem anderen reicht es schon, sich nicht nur auf das eigene Ich zu beziehen und zu versuchen den Willen des Ichs des Gegenüber zu verstehen.

Im Volksmund wird das Wort Karneval mit den lateinischen Worten „Carne“ – das Fleisch und „vale“ – Lebe wohl! Übersetzt. Ganz richtig ist die Übersetzung nicht, aber vielleicht sollte man die Fastenzeit einfach mal „Egoval“, also „Lebe wohl eigenes Ego!“ nennen. Zwar sollte man sich nicht selbst aufgeben, aber doch mal versuchen mehr an sein Gegenüber zu denken. Als guter Vorsatz für die Fastenzeit.

Noch frohe närrische Tage wünscht

Simeon Harjung