2011

HARMONIE Festival 2011 in Lindenholzhausen

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Die Eröffnungsfanfare erklingt, ein Männerchor mit knapp 90 Sängern betritt die Bühne. Für die Sänger ein großer Moment, denn sie haben das geschafft, was wohl kaum ein anderer Chor in Europa hin bekommt: ein Chor- und Folklorefestival mit fast 200 Chören aus 40 Nationen auszurichten.

Das komplett selbst organisierte Festival vom 2. – 6. Juni bedeutet sehr viel Einsatz für die meisten Sänger des MGV HARMONIE Lindenholzhausen. Zwei Jahre lang haben die Hauptorganisatoren fast ihre komplette Freizeit für das Festival geopfert und alle Sänger einen Großteil ihres Jahresurlaubs.

Eine Woche haben die Sänger unter Dauereinsatz zunächst drei Zelte aufgebaut und eingerichtet. Doch Zeit zum Durchschnaufen blieb nicht, denn mit dem Beginn des Festival selbst mussten die Zelte bewirtschaftet und die Teilnehmer und Besucher mit Essen versorgt werden. Außerdem sorgten die Helfer im Informationszentrum dafür, dass alle Chöre immer zum richtigen Zeitpunkt bei ihren Auftritten waren, sowie alle offenen Fragen geklärt wurden.

Der Begrüßungsapplaus ist verklungen und der Männerchor beginnt mit dem Lied „A day of Sunshine“. Es ist eine Welturaufführung des Stückes, da es speziell für die HARMONIE und das Festival 2011 von Robert Sund geschrieben worden ist. Zwar singt der Chor in keinem Wettbewerb, aber dennoch ist im wichtig zu zeigen, dass er nicht nur ein Festival organisieren sondern auch singen kann.

Doch die eigentlichen Stars des Festivals sind Esembles von den Philipinen oder aus Taiwan, die auch durch ihr modernes Liedgut aber vorallem durch ihr gesangliche Perfektion beeindruckten. Von gesanglicher Perfektion kann man hingegen bei dem Chor aus Uganda nicht reden, der eher durch die Darbietung von traditionellen Tänzen und Gesängen beeindruckt und die afrikanische Kultur näher bringt. Die besondere Schwierigkeit in der Wettbewerbssituation ist, dass niemand bisher die Noten ihrer Lieder aufgeschrieben hat. So sitzt der Chorleiter noch Minuten vor dem Wettbewerbsbeitrag noch am Laptop und schreibt aus dem Kopf die Noten dafür. Es beunruhigt ihn nicht, dass nurnoch wenig Zeit bleibt, bis der Chor auf der Bühne stehen muss. Generell scheint für den Afrikanische Chor ein anderes Zeitgefühl zu gelten. Fixe Zeitpunkte sind nur schwer einzuhalten.

Was für die Sänger und Zuschauer interessant ist und einen besonderen Reiz hat, ist für die Jury eine besondere Schwierigkeit. Eine faire Bewertungsgrundlage für Chöre aus verschiedenen Ländern, Kulturen oder sogar Kontinenten zu finden. Für das Festival ist es nicht ungewöhnlich, dass ein asiatischer, ein afrikanischer und ein euröpäischer Chor in einer Kategorie gegeneinander antreten.

An den Abenden füllte sich dann das große Konzertzelt mit jeweils 2500 Leuten, denn was hier für wenige Euro geboten wird, kann an Internationalität und Klasse kaum überboten werden. Hier präsentieren sich die Chöre des Festivals mit ihren besten Werken und Tänzen. Mehrere Stunden lang reiht sich ein Chor an den anderen.

Der Männerchor verabschiedet sich nach dem Lied „Set down Servant“ mit „Dry Bones“ einer Art von Gospel. Dabei nimmt der Mönnerchor sich selbst auf den Arm, in dem er zunächst grimmig beginnt zu singen, womit er ein Glischee bedient, dass deutsche Männerchöre keinen Gospel singen können, und sich am Ende doch mit einem Lächeln, lockeren Bewegungen und mit Schweineknochen winkend zeigt.

Doch für die Sänger und Helfer in der Küche heißt es nach dem Auftritt noch lange nicht Feierabend. Schnell wird der Smoking gegen die Schürze getauscht und die Gäste weiter mit Essen versorgt. Dabei ging der ein oder andere mehr als an seine Leistungsfähigkeit oder sogar darüber hinaus. Hingabe nur für das Festival. Alles andere in der Welt wird für diese Zeit vergessen.

Vergessen tun auch viele Chöre verschiedener Nationen, dass ihre Länder eigentlich verfeindet sind und so genießen sie gemeinsam die deutsch Küche. Selbst die First Lady von Taiwan genießt mit ihrer Deligation im Essenszelt eine deutsche Bratwurst.

Eigentlich aber war sie wegen der Musik gekommen. In der Kategorie der Männerchöre trat nämlich ein Chor aus Taiwan an, der auch den Sieg in der Kategorie errang. Somit war es möglich, dass die First Lady am Abend beim Preisträgerkonzert den Chor mit einer beachtlichen Perfektion erneut bewundern konnte.

Holger Weinert, der das HARMONIE Festival mit einem Kamerateam begleitet, findet auch immer mehr gefallen an dem Festival und hofft wahrscheinlich als einziger auf Regen, denn die ersten beiden Tage herrscht nur Sonnenschein und Hitze. Als dann der Regen mit volle Wucht kommt freut er sich riesig. Das Fernsehn denkt halt anders als ein Besucher oder Veranstalter. Zum Glück blieb aber das Wetter nicht nur schlecht. Das Ergebnis von Holger Weinert war am 19.06.2011 im HR-Fernsehn als „Hessenreporter“ zu sehen.

Es ist Montag Nachmittag, 6. Juni, der letzte Chor verlässt die Bühne. Spätestens jetzt ist die große Anspannung vorbei. Ohne größere Zischenfälle geht das Festival zu Ende und die mehr als 1000 Helfer realisieren langsam, was für eine Leistung sie erbracht haben. Doch für sie ist noch lange nicht Schluss. Alles was Mühevoll aufgebaut wurde, muss wieder abgebaut werden.

Im Rückblick hat sich der Aufwand gelohnt, die Mühen waren es wert. Das Festival war erfolgreich. Was zählt, sind die persönlichen Erfahrungen eines jedes Einzelnen. An diesen Erfahrungen zerren die Sänger nun bis es wieder heißt: Das HARMONIE Festival in Lindenholzhausen.

Bilder vom Aufbau

Bilder vom Festival

Bilder vom Abbau

Simeon H.

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