Fastnacht

Fastnachtsgruß zum Sonntag (Nr.1)

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Vor zwei Jahren habe ich für die Nassauische Neue Presse einen Gruß zum Sonntag über das Thema Fastnacht geschrieben. Ich möchte ihn hier nochmal präsentieren:

Zurzeit sieht man die Verkleidungen aller Art wieder überall. Der eine gibt sich plötzlich als Schwerverbrecher von der Stange in schwarz-weiß gestreiften Hosen und ebenfalls quer gestreiften T-Shirt, der andere kann endlich zeigen welches Kostüm er im vergangenen Jahr mühsam gebastelt hat. Der Dritte ist dann wohl der, der mit dem ganzen Verkleidungskram nicht viel anfangen kann, aber trotzdem durch diese fünfte Jahreszeit durch muss, da der Karneval so einen breiten Platz in der Gesellschaft einnimmt.

Allein die Nassauische Neue Presse in diesen Tagen zu öffnen zeigt, dass das Wichtigste in der Region zurzeit der Karneval ist. Kappensitzung hier, Kreppelkaffee da und später noch die Umzüge. Keine Frage: Es wird viel gelacht und gefeiert. Das ist gut so, aber viele vergessen, dass der Karneval eigentlich einen stark kirchlichen Hintergrund hat. Früher ließ die Kirche die eine oder andere kurz vor der Fastenzeit begangene Sünde mal durchgehen. In den folgenden Wochen achtete sie dafür umso mehr auf die Verfehlungen der Menschen. Diese wenigen tollen Tage im Jahr nutzten viele, um einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen und den Oberen auf der Nase herum zu tanzen. Dieser Rollenwechsel tat gut, um mal von außerhalb auf sein eigenes Ich zu schauen. Oftmals wirken die eigenen Probleme dann plötzlich nur noch winzig und klein.

Perspektivwechsel

Was damals schon galt, gilt heute auch noch: Durch einen Wechsel der Perspektive kann man vielleicht über seine eigene scheinbar ausweglose Situation hinweg kommen und neuen Mut schöpfen. Dem einen gelingt dies vielleicht dadurch, dass er sich verkleidet und „Helau!“ ruft. Dem anderen reicht es schon, sich nicht nur auf das eigene Ich zu beziehen und zu versuchen den Willen des Ichs des Gegenüber zu verstehen.

Im Volksmund wird das Wort Karneval mit den lateinischen Worten „Carne“ – das Fleisch und „vale“ – Lebe wohl! Übersetzt. Ganz richtig ist die Übersetzung nicht, aber vielleicht sollte man die Fastenzeit einfach mal „Egoval“, also „Lebe wohl eigenes Ego!“ nennen. Zwar sollte man sich nicht selbst aufgeben, aber doch mal versuchen mehr an sein Gegenüber zu denken. Als guter Vorsatz für die Fastenzeit.

Noch frohe närrische Tage wünscht

Simeon Harjung

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